Psychiatrie

In Deutschland leiden etwa 6 Millionen Menschen an Psychosen und Neurosen. Bei mehr als 1 Million der Erkrankten ist eine stationäre ärztliche Behandlung erforderlich.

Ein Teil dieser Menschen kommt unfreiwillig in die Psychiatrie. Die Zahl der Unterbringungsverfahren und -genehmigungen ist steigend. Menschen, denen die Unterbringung widerfährt, sind nahezu völlig isoliert und rechtlos.

Wir sehen die Verwendung von Antipsychotika (synonym Neuroleptika) kritisch. Antipsychotika sind nicht bei allen Patienten wirksam. Die Nebenwirkungen sind erheblich (schleppender Gang, Sprachstörungen, Mundtrockenheit, Verstopfungen, Früh- und Spätdyskinesien, Gewichtszunahmen und so weiter). Die Schwierigkeiten des Absetzens ("Ausschleichens") sind in der Literatur kaum beschrieben. Die Spätdyskinesien sind zum Teil lebenslang bleibend, auch nach dem Absetzen. Auch die zunehmende Verwendung von Antipsychotika in der Altenpflege sehen wir kritisch.

In der Wikipedia haben wir den Artikel Liste von Antipsychotika mit Wirkstoffen und Markennamen als Hilfe für Patienten und Angehörige angelegt, inclusive der Hinweise zur Tagesdosis, die stationär oft noch deutlich überschritten wird. Die Seite hat mehrere tausend Zugriffe pro Monat.

Wir lehnen Zwangsbehandlungen als Verstoss gegen die Menschenrechte ab. Inbesondere lehnen wir Nötigungen ab, dass Patienten vom ärztlichen Personal oder vom Pflegepersonal gesagt bekommen "Entweder schlucken Sie das oder wir spritzen Ihnen das" oder "Wenn Sie keine Medikamente einnehmen, gewähren wir Ihnen keine Zeit im Freien."

Wir lehnen Fixierungen ab.

Zu den rechtlichen Grundlagen der Unterbringung zählen:

Insbesondere sehen wir es kritisch, dass Kinder und Jugendliche zwischenzeitlich aus Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe in die Psychiatrie gebracht werden aus mehr oder minder pädagogischen Erwägungen heraus. Besonders skeptisch sehen wir, dass "stationäre Diagnostiken" von Kindern und Jugendlichen in der Psychiatrie auf Veranlassung der Jugendämter dafür herhalten, um eine nachfolgende jahrelange Verbringung von Kinder und Jugendlichen ins Ausland rechtfertigen.

Der Heimkinderverband Deutschland ist Mitherausgeber der PatVerfü unter der Schirmherrschaft von Nina Hagen. In der Patientenverfügung können Sie Vertrauenspersonen mit Anschrift benennen und sich gegen eine Zwangsmedikamentation und andere Zwangsmaßahmen aussprechen.